Das Rathaus in Burg

südliche Blickrichtung über den Marktplatz hinweg
südliche Blickrichtung über den Marktplatz hinweg

1520 ist es soweit. Ende des Mittelalters geht es Fehrmarn durch die große Nachfrage an hochqualitativem Getreide wirtschaftlich sehr gut. Mit der Errichtung eines großzügigen Rathauses in Fachwerk Bauweise auf dem Burger Marktplatz setzt man ein Zeichen. Die Kirche hatte schließlich 7 Jahre zuvor den Glockenturm der Sankt Nikolai Kirche fertigstellen können, doch die Zeit der Inselverwaltung durch die Kirchspiele, neigt sich langsam dem Ende zu.

 

Nicht weit vom Rathaus lag die Wehranlage der die Stadt Burg ihren Namen verdankt. Orthstraße auf der Höhe Schulsteig muss sie gelegen haben. In Sichtweite der Senke östlich der Sankt Nikolai. Dort lag der alte Stadthafen, der in den folgenden Jahrzehnten allerdings zunehmends versandete und schließlich aufgegeben werden musste.

1899 ist dieses Bild entstanden — vermutlich im März. Denn kurz darauf kam es nach reichlich „Bürgerstreitigkeiten“ doch dazu, daß das Rathaus im folgenden Monat abgerissen wurde.

 

Es stand ohnehin ein neues Jahrhundert vor der Tür und manchmal ist es Zeit für etwas Neues. Man mag sich noch so sehr an etwas gewöhnt haben, wenn die Zeit gekommen ist muss man Abschied nehmen und weitergehen. Anderorts hatten bereits Rathäuser, wie das unten abgebildete eine deutlich repäsentativere Erscheinung.

Eines der Rathäuser der Zeit, daß auch von größe und Form in etwa für Burg auf Fehmarn in Frage gekommen wäre, doch die Unterlagen über den Bau des Rathaus zeigen, den Verwaltungsakt ganz deutlich. Auf den Erfahrungswerten vergleichbarer Bauten konnte Aufwand, Material, Budget für ein „Jahrhundertbauwerk“ gut kalkuliert werden. Der Stiel sollte mehr zur lokalen Architektur passen und nicht so über alles andere erhobene Türme haben wie zB. das in Stuttgart.

 

Diese großartige Abbildung konnten wir Dank der Mitarbeiter im Archiv der Stadt Fehmarn entdecken und ablichten.

Grundsteinlegung zum Rathaus in Burg auf Fehmarn
Grundsteinlegung des Rathauses 1900

1900 Grundsteinlegung zum Rathaus in Burg. Das Bild zeigt auch die Begehung des Fundamentes durch die Veranwortlichen, Würdenträger der Insel und Berichterstatter zur Dokumentation des feierlichen Anlass.

 

Die Gesamtkosten für den Neubau beliefen sich auf die stolze Summe von 116.560 Reichsmark. Doch eine moderne Verwaltung braucht auch ein modernes Verwaltungsgebäude. Die representativen Gründe gab es ja auch und so konnte die Preussische Republik auf der, 40 Jahre zuvor noch dänischen, Insel gleich historische Spuren hinterlassen.

Einladung zur Einweihungsfeier

Einladung zur Einweihung des Rathaus zu Burg auf Fehmarn
Umschlag der restaurierten Einladungkarte

Aus Lindenkronen ragt das neue Haus
Weit über's Weichbild uns'rer Stadt hinaus,

Ein Bau, geformt so stark und dauerhaft,

Ein echtes Standbild Deutscher Treu' und kraft.

Was Bürgersinn, was Bürgerfleiss vermag

Bei festem Wollen – hier tritts klar zu Tag!

Wo Einigkeit des des Hauses grundstein legt,

Da hat vergebens sich der Sturm geregt.

Vollendet jetzt! Im Schooss ausruhend liegt

Die fleiss'ge Hand, die Stein auf Stein gefügt.

Dank sei dem ew'gen Bauherrn heut' gebracht,

Der über uns und unserm Werk gewacht!

So lasst uns denn mit Gott dies Haus nun Weih'n:

Mög' es die Stätte des Friedens sein,

Dem recht ein Schirm, dem Bürger ein Hort,

Der ernsten Arbeit und dem freien Wort!

Was walte Gott! In unserm Herzen regt

Sich nur ein Wünschen, innig unentwegt:

Gott giess' auch ferner seinen Segen aus

Auf uns're Vaterstadt und dieses Haus!

Nordöstliche Blickrichtung
Nordöstliche Blickrichtung

1901 das neue Rathaus wird mit großen Feierlichkeiten am 22.November eingeweiht. Bürgermeister, Stadtvertreter, Sekretäre  — alle haben nun Platz in den 3 Etagen des neuen Verwaltungsgebäudes. Das Portal ist mit einem Spitzbogen sehr repräsentativ geworden Türmchen, Erker, Balkone und viele Fenster sowie die verwinkelte Dachkonstruktion zeichen das Gebäude aus. Die Fehmaraner sind zu recht stolz auf ihr Rathaus.

 

2003 wird die Insel-Verwaltung refomiert. Seitdem wird aus dem Rathaus die Insel zentral als Stadt Fehmarn verwaltet.

Bilder rund um das Rathaus

Das erste Bild mit den rot-kolorierten Dächern zeigt die Szene von Hauptmann Mellenthiens Einmarsch in Burg am 15. März 1864. Mit 160 Soldaten setzte er nach Fahmarn über und vertrieb die, noch schläfrigen, dänischen Soldaten aus dem Hotel Wisser's. Dahinter ist das alte Rathaus abgebildet und die Nähe ist auch in einem direkten Vergleich mit einem Foto eindeutig erkennbar.

Fehmarn damals

So spannend Geschichte manchmal auch sein kann — erst mit Bildern ist man mitten im Geschehen. Daher haben wir viel Bildrecherche betrieben und sind dabei auf die Facebook-Gruppe „Fehmarn damals“ aufmerksam geworden. Dank den enthusiastischen Mitgliedern der Gruppe sind ganz viele historische Fotos erstmals „aufgetaucht“. Deshalb ein ganz herzliches Dankeschön an dieser Stelle an Peter Rink , der uns erlaubte die Bilder hierfür einzusetzen. Und natürlich auch an die fast 1.000 Mitglieder der Facebook-Gruppe die hier bereits historisches geleistet haben.

 

Besonders möchten wir auch für die Aktivitäten von Karl-Wilhelm Klahn & Matthias Klahn mit dem Aufbau einer so bedeutenden Bildersammlung danken. Ein paar der Bilder von „Fehmarn damals“ stammen nämlich aus dem Klahn-Archiv.

Rettet die Fehmarnsundbrücke

Rettet die Fehmarnsundbrücke vor dem Abriss!
Foto: Höhenflug Pictures

Der geplante Abriss der Fehmarnsund Brücke wurde am 26. November 2015 von diversen Zeitungen veröffentlicht. Eine massive Welle an Kommentaren und Gegnern dieses Vorhabens kam daraufhin und bündelte sich binnen weniger Stunden in einer dafür gegründeten Facebook-Gruppe.

 

650 Unterstützer waren es am ersten Tag - 1.338 bereits am zweiten. Heute sind dort deutlich über 2.000 Sundbrücken-Unterstützer zu finden und der Zustrom reißt nicht ab. Die Gruppe wächt in einem Tempo, das man bereits jetzt von einer Grassroot-Bewegung sprechen kann, die es mit Goliath (also der Politik & Deutschen Bahn) aufnehmen möchte. Das Fehmaransche Tageblatt berichtete auch bereits über die rasant wachsende Gruppe.

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