Insel Chronik

Von der Pirateninsel in der Ostsee

Eine vollständige und lückenlose Chronik der Insel wäre sicherlich wünschenswert — gibt es aber so nicht. Wir wollten dat ma uteinander klamüsern. Deswegen gibt es hier bei uns die große Inselchronik und tiefergehende Beiträge zu einigen Punkten. Es ist auch nicht immer ganz einfach Fakten und Sage von einander zu trennen — Klaus Störtebecker soll angeblich die Burg Glambeck zu seinem Stützpunkt gemacht haben. Aber schriftliche Belege... verständlicherweise haben Piraten kein Fahrtenbuch geführt. Schriftliche Aufzeichnungen gibt es ab...

1022 Knud der Große, König der Dänen unterstellt die Insel dem Bistum Odense auf Fünen.

1076 Kirchenhistoriker Adam von Bremen nennt die Insel „Fembre“ ein reiches Bauernland und voller Seeräubern, die keinen Vorüberfahrenden verschonen.

 

1198 Die Peter & Pauls-Kapelle in Puttgarden findet das erste mal urkundliche Erwähnung.

1202 Dänenkönig Waldemar II. legt ein Erdbuch seiner Besitzungen und Einnahmen an. Hierin erscheinen von Fehmarn 36 Dörfer und ein „Castro“. Diese befestigte Siedlung, des werdenden Städtchens Burg auf Fehmarn, dient dem Schutz des Stadthafens.

1210 Das Castro Glambeck, wird gebaut. Dort wird auch der Amtmanns-Sitz liegen und die Wehranlage dient zum Schutz vor Piraten und Eroberern.

1220 Die Landkirchener Sankt Petri-Kirche wird gebaut.

1230 Sankt Nikolai   Das Gotteshaus im romanisch-gotischen Übergangsstil entsteht.

1240 die Petersdorfer Sankt Johannes-Kirche wird errichtet.

1290 der Bau der Bannesdorfer Sankt Johannes Kirche „Parochia“ ist in den Bistums-Annalen von Odense auf Fünen erwähnt.

13xx Die Insel ist fest in der Hand der Kirche und wird über die „Keerkspilen“ verwaltet. Die Stadt Burg benutzt das „Lübecker Stadtrecht“, die Landschaft das „Fehmarnsche Landrecht“.

 

1326 Inkrafttreten der Geschworenen-Landrecht (Handfeste)

141x Durch das grausame „Fehmarnsche Landrecht“, der dänischen Krone und deren Amtsmann & Richter, aufgewiegelt tauschten die Fehmaraner ihr altes Siegel mit dem „Schauenburger Nesselblatts“ und bekannten sich zu dem Holsteiner Grafen Adolf VIII. als ihren „rechtmäßigen Herrn“.

 

wenn de koh kann side spinnen so sall könig Erich unse Land gewinnen
wenn de koh kann side spinnen so sall könig Erich unse Land gewinnen

1420 Dänenkönig „Erich der Pommer“ zerstört am 1. Juli fast vollständig die Insel und rottet die Bevölkerung nahezu aus. Der Sage nach überlebte je ein Mackeprang, ein Witt und ein Rauert.

1424 Der Schauenburger Fürst ruft zur Neubesiedlung der Insel mit großen Steuerfreiheiten auf. Dithmarscher, Sachsen und Holsteiner kommen.

1470 Das Gebäude der Sankt Nikolai Kirche wird erweitert.

 

1492 Fertigstellung von Martin Behaims Erdapfel. Darauf befindet sich Fehmarn, doch der amerikanische Kontinent fehlt. Dieser wird kurz darauf von Christopher Kolumbus wiederentdeckt.

1508 wird der Kirchturm von St. Nikolai errichtet.

1520 ein großzügiges Rathauses in Fachwerk wird auf dem Burger Marktplatz erbaut.

1539 Olaus Magnus veröffentlicht seine Karte „Scandinavia“

 

1542 Dänenkönig Christian III. führt in den „Elb-Herzogtümern“ die „Evangelische Kirchenordnung“ ein. Faraufhin gehört die Insel nicht mehr zur Diäzöse Odense auf Fühnen.

 

1550 Der Stadthafen von Burg unterhalb des heutigen Kirchhügels von Sankt Nikolai versandet zunehmends.


1558 Die Handrechte als Gesetz werden abgeschafft.


1559 erscheint die Karte des Marcus Jordanus über die Herzogtümer Schleswig und Holstein im ungefähren Maßstab von 1:500.000

1570 Abraham Ortelius veröffentlicht am 20. Mai das „Theatrum Orbis Terrarum“, die erste Landkarten Sammlung in Buchform  später als Atlas bekannt.

 

1580 Graf Johann übergibt die, vom dänischen König Friedrich II. verliehene, Lehnsfahne mit goldener Krone auf lavendelblauem Grund den Fehmaranern.

1617 verbietet der fehmarnsche Landherr, Fürstbischof Johann Friedrich aus Eutin, die Ansässigkeit und den Landbesitz des Adels „auf unser Insul Femern“. Auf der Insel gibt es zu dieser Zeit 493 freie Bauernhöfe und nie eine Leibeigenschaft.


Baltici Fembria von Johannes Meijer aus dem Jahr 1648
Baltici Fembria von Johannes Meijer aus dem Jahr 1648

1648 Johannes Mejer veröffentlicht „Geometrisch Grundriss Von dem lande FEMEREN“ und setzt einen Meilenstein in der Präzision der Darstellung. Bei der Namensgebung ist er unentschlossen und nennt die Insel auch beim alten Namen „Fembria“.

 

1715 kommt es zwischen Dänen & Schweden zur Seeschlacht im Fehmarnbelt.

 

1753 Der Plan einer regelmässigen Fährverbindung durch den Belt scheitert vorerst.


1796 Veröffentlichung von Otte's „chronologisch statistische Beschreibung der Insel Fehmarn“.

 

1815 erschien das erste Mal die Fehmarnsche Korrespondenz heute bekannt als das Fehmarnsche Tageblatt.

1832 Dr. Georg Hansen publiziert seine „Historisch statistische Darstellung der Insel Fehmarn“.

 

1863 Gustav Kröhnke, Ingenieur & Landvermesser aus Glückstadt beantragt am 4. Juni eine dänische Konzession zum Ausbau der Eisenbahn und ist mit seinem Plan der Wegbereiter für die Vogelfluglinie & Sundbrücke.

 

Friedrich VII. König von Dänemark, Herzog von Schleswig und Holstein stirbt am 15. November

1864 am 15. März betritt der preussische Hauptmann Xaver Edmund Karl von Mellenthin, mit 160 Soldaten in 9 Fischerbooten die Insel und nimmt sie ein.

1866 wird gesamt Schleswig-Holstein von Preussen annektiert.

1867 Schleswig-Holstein wird als „Provinz“ in Preußen eingegliedert. Durch den Vertrag des Prager Frieden muß Österrreich seine Rechte abtreten.


1872 Eine große Sturmflut trifft im November auf Fehmarn und legt dabei Teile der verschollenen Burg Glambeck frei.

 

1899 Das alte Rathaus wird im April nach heftigen Bürger-Streitigkeiten abgerissen.

 

1900 Ein Torpedoboot der kaiserlichen Marine läuft bei Staberhuk auf Grund und gibt den Anlaß für den Bau eines weiteren Leuchturms.

1901 das neue Rathaus wird am 22.November eingeweiht.


1903 Baubeginn des Leuchturms Staberhuk.

Inbetriebnahme der „Fehmarnsund“ Fähre für das Übersetzen auf's Festland.

 

1904 Inbetriebnahme des Leuchturms Staberhuk


1905 Start der Insel-Eisenbahn Linie von Fehmarnsund bis Orth.

 

1908 Ausgrabung der Glambeck unter Prof. Haupt, J.A. Bundies und dem Architekten Voß

1910 Der „Wartturm zur Glambek“ ein der Burgruine angepasstes Hotel wird auf dem östlichen Wehrhügel gebaut.

 

1914-1918 Im ersten Weltkrieg gab es auch Gefallene von der Insel. Die Grabsteine auf der Insel zeugen davon.

 

1921 In einem Herbststurm riss sich die „Fehmarnsund“ Fähre von ihrem Liegeplatz los und lief auf Grund. Daraufhin beschliesst der preußische Landtag die Überbrückung des Fehmarnsund.

 

1932 In Folge einer gefürcheten weißen Bö kenterte am 26. Juli das Segelschulschiff „Niobe“ im Fehmarnbelt. Bei dem Unglück starben 69 Besatzungsmitglieder.

 

1933 Ein Österreicher, der in Bayern geputscht hatte, rief in Berlin irgendein Reich aus. Die Insulaner reagierten sehr verhalten — Bürgermeister Lafrenz weigerte sich sogar noch die Nazi-Flagge zu hissen, als das bereits mit Lebensgefahr verbunden war.

 

1937 ereignete sich in der Nacht des 18. / 19. Januar westlich der Insel eine Schifffahrtstragödie die weitestgehend in den Wirren der Zeit vergessen wurde. 26 Mann kamen dabei ums Leben.


1945 britische Soldaten besetzten die Insel. Stalin selbst wollte unbedingt die gesamte Ostsee in seinem Einflussgebiet haben. Doch Sir William Strangs - Baron of Stonesfield verteidigt erfolgreich Fehmarn gegen die Forderungen des Ostblocks.

 

1949 wurde die Fähre „Fehmarnsund“ durch die „Schleswig-Holstein“ ersetzt. Die Verbindung mit den Sundfähren hatte in den folgenden Jahren Hochkonjunktur.


1963 Einweihung der Fehmarnsund-Brücke und „Vogelfluglinie“ mit Bahnhof Puttgarden.

 

1965 Die von Arne Jacobsen gestaltete Hotelanlage am Südstrand geht in dem Bau — allerdings anders als geplant.

 

1970 Jimi Hendrix und viele andere Musiker wie z.B. Rod Steward spielen auf dem Love & Peace Festival in Flügge.

 

1972 Die Buchhandlung und Familie Niederlechner legt die Chronik der Insel neu auf.

 

1975 Das Vogelschutzreservat Wallnau wird gegründet.


1979 / 81 Die Insel und fast ganz Schleswig Holstein versinken im Schnee. Räumpanzer im Einsatz & Versorgung der Bevölkerung per Helikopter. Bahn-Schienen mussten sogar durch das Militär freigesprengt werden.

1991 Nach der Wiedervereinigung Deutschlands verliert die Handelsroute über Fehmarn an Bedeutung und der Hafen Rostock wird zunehmend ausgebaut.

2003 Die gesamte Insel wird verwaltungtechnisch zur „Stadt Fehmarn“ und damit zur größten Stadt Schleswig-Holsteins hinter Lübeck. Damit ist die „Stadt Fehmarn“ flächenmäßig sogar größer als die Landshauptstadt Kiel.

2008 Der Staatsvertrag zum Bau der Beltquerung wird unterzeichnet. Die Bedürfnisse und Befürchtungen der Insulaner werden nicht beachtet und gezielt überhört.

 

2010 Obwohl die Bundeskanzlerin die Staatsverschuldung in der Krise 2009 um ein Drittel steigern musste, und der Bundesrechnungshof vor dem Projekt FFBQ mehrfach warnte, tritt der Vertrag 2010 unverändert in Kraft. Dabei wurde der Paragraph §22 für solche finanziellen Umstände aufgenommen.

 

2014 Unter dem Namen „Bewahrt Fehmarn“ findet sich die Hälfte der Insulaner in einer BürgerInitiative zusammen und verhindert erfolgreich den Bau eines Instriegebietes.

 

2015 Aus vielen kleinen Bündnissen gegen den Tunnelbau im Fehmarnbelt gründen sich die Belt-Retter auf Fehmarn. Mit geeinter Stimme und kreativen Aktionen klärt man auf über die Geld- & Umweltvernichtung, die direkt auf und in der Ostsee stattfinden soll.


Nach einigen kuriosen Plänen zur Erweiterung im Sund, meldeten am 26. November die Medien den geplanten Abriss der Fehmarnsund Brücke. Innerhalb von 5 Tagen entsteht eine große Gruppe auf Facebook, die sich gegen Abriss stellt.