Schlammschlacht ums Rathaus

Photo: Höhenflug-Pictures für Bewahrt Fehmarn
Photo: Höhenflug-Pictures für Bewahrt Fehmarn

Nach über 10 Jahren unter Otto-Uwe Schmiedt als Bürgermeister hat die Insel am 8. März 2015 die Gelegenheit einen Wechsel in der Inselpolitik herbeizuführen. Das Veränderung dringend notwendig ist, zeigen nicht nur alle Tourismus-Studien der letzten Jahre, sondern wird auch durch den überwältigenden Erfolg der Bürgerinitiative Bewahrt Fehmarn deutlich. Vermutlich hatte der Bauausschuß unter der Leitung von Gunnar Mehnert nicht mit dem enormen Gegenwind aus der Bevölkerung, noch einem derartigen Medieninteresse gerechnet, als er das 15 Hektar große Industrieareal zwischen Puttgarden, Marienleuchte und Bannesdorf durchwinken wollte. Das riesige Interesse an Bewahrt Fehmarn ist der Beweis, daß die Insulaner wahrgenommen werden wollen und genug davon haben, daß sie unerhört durchregiert werden. Mehr Mitsprache, mehr Einbezug der Kompetenzen & Bedürfnisse der ansässigen Unternehmen & Anwohner, mehr Transparenz ist gefragt.

Die Politik der letzten Jahre wirkt so planlos - es fehlte offensichtlich eine Vision, ein Masterplan den man Stück für Stück für die Insel umsetzen konnte. Stattdessen hat der rigide Sparkurs der Ära Schmiedt & Grotelüschen schwere Wunden hinterlassen. Während andernsorts in der Region massiv investiert wurde, um für die Zukunft gewappnet zu sein, ist Fehmarn in eine Art Sparschlaf gefallen. Und wenn doch mal etwas geplant wurde, dann hat sich immer wieder gezeigt, daß es im Interesse von außenstehenden Unternehmen/Investoren war. Auch einige Stadtvertreter haben oft genug bewießen, daß sie nicht an den Vorteil von Fehmarn denken, sondern etwas anderes im Schilde führen. Doch bereits nach der Ankündigung, daß Schmiedt nicht erneut zur Wahl zur Verfügung steht, haben viele Bürger aufgeatmet. Nun hat die Initiative Bewahrt Fehmarn die großartige Idee von einem Zukunftsbeirat vorgestellt, der Konzepte erarbeiten könnte, die wirklich für die Insel sind.

Frischer Konzepte und neue Perspektiven ist das, was wir jetzt brauchen, damit wir im regionalen Vergleich nicht den touristischen Tabellenanschluß verlieren. Bildungs- & Verkehrskonzepte, Südstrand-Planung & schlüssige Pläne zur Wirtschafts-Förderung sowie Arbeitsplatzbeschaffung. Freizeit- & Kultur-Angebote für Gäste wie Einheimische, Senioren & Jugendliche.

Bei dem Projekt Pimp my Island zeigt selbst die Jugend, daß großes Interesse besteht um unsere Insel vorran zu bringen. Ein Lehrer der Inselschule wünschte sich von den Einwohnern "aufgeschlossener neuem gegenüber" zu sein. 

Das wird wohl nötig sein, denn neue Konzepte sind inzwischen unumgänglich. Konservatives Denken und Handeln hat Fehmarn ja erst in die Schieflage mit 10% Buchungsrückgang gebracht. Viele Politiker, der unter Stimmschwund leidenden Volksparteien, beklagen sich über die wachsende Politikverdrossenheit und fordern mehr ehrenamtliches Engagement. Die Bürger (und Bürgerinitiativen), die sich aktiv beteiligen wollen, werden dann aber, wie beim Treffen zur Sundquerung am 1. Dezember geschehen, von jenen "Volksvertretern" ausgeschlossen. Genau diese Widersprüche von Forderungen und den Handlungen sorgen doch für die Verdrossenheit in der Bevölkerung. Da wirkt das "vom Stuhl fallen" der Politiker nicht nur wie hausgemacht, sondern geradezu völlig aufgesetzt.

Es handelt sich doch bei diesem Ohnmachtsgefühl und der Enttäuschung nicht um Politik-Verdrossenheit, sondern vielmehr um eine Politiker-Verdrossenheit. Der Begriff Wahlversprechen ist doch in den letzten Jahren zu einem Synonym für Lüge geworden. Sich das einzugestehen sind leider die meisten nicht in der Lage und noch viel weniger dazu, die entsprechenden Konzequenzen daraus zu ziehen.

 

Wir sind immernoch so etwas wie eine Pirateninsel. Es wird also Zeit dazu zu stehen und die Mitbestimmung der Crew einzufordern. Ein Zukunftsrat wie von Bewahrt Fehmarn angeregt, kann dazu ein erster Schritt sein.


Der Wahlkampf

Wir wollten hier die Kandidaten vorstellen und deren Programme vergleichen, doch der Wahlkampf hat uns in vielerlei Hinsicht sehr überrascht. Anstatt der geplanten Vergleiche, die mangels themengeführter Wahlkampagnen nicht zustande kamen, haben wir hier nun einige Kuriositäten des bisherigen Wahlkampf zusammengestellt...

Jörg Weber hat für seinen Wahlkampf Fotos in Puttgarden an einem grauen Tag machen lassen, der genauso grau ist wie die abgebildete Person. Das Wahlplakat auf dem er seine Parteizugehörigkeit verschweigt ist dann, um die Verwirrung komplett zu machen, auch noch digital eingefärbt und in den Farben der CSU gestaltet. Das passt zu seiner Wirtschaftsförderung durch eine derartige geplante Stelle. Sozial war gestern. Seine Internetseite hat nur ein paar stichwortartige Themen und zeigt nicht einen Lösungsansatz für die Probleme der Insel. Dort sucht man auch vergebens nach einen Haftungshinweiß. Die von seiner Partei angezettelte Schmutzkampagne war eigentlich das auffälligste im Wahlkampf. Andreas Herkommer, Gunnar Gerth-Hansen und auch Lars Winter haben sich dabei besonders hervor getan. Sogar die umfassende Unterstützung des Fehmarnschen Tageblatts war deutlich zu erkennen. Inzwischen liegt uns ein Schreiben vor, in dem Andreas Höppner (FT CvD) den Kandidaten Lintzen zu einer Klarstellung auffordert und auf diverse suggestiv Fragen in einem Zeitraum von unter 2 Stunden eingehen soll. Sich gemeinsam unmöglich machen scheint das Ziel der Schlammschlacht zu sein. Dieser Wahlkampf jedenfalls stärkt nicht das "Vertrauen." in eine offene und ehrliche Politik der Partei.

Günter Lintzen polarisierte mit einen Wahlkampf den die Insel so noch nicht erlebt hatte. Gleich zu Beginn (13.12.2014) stellte er sein 40-seitiges Strategiepapier vor, daß die zahlreichen Probleme der Insel betrachtet und Lösungsansätze dazu beinhaltet. Allerdings berichtet das Fehmarnsche Tageblatt nicht darüber. Die fehlende Berichterstattung über Günter Lintzen zog sich dann auch durch den gesamten Wahlkampf hindurch, weshalb sich der Kandidat über Leserbriefe an die Öffentlichkeit wendete. Auch seine Weise die sozialen Medien zu nutzen hat für viel Aufsehen gesorgt. Seine Veröffentlichungen dort wie zB. Datenankauf von Jugendlichen durch die Parteien haben hochexplosiven Charakter. Doch das konkrete Ansprechen der Mißstände hat ihm nicht nur Freunde bereitet. Nicht zuletzt deshalb ist seine Facebook-Site auch die am höchsten frequentierte im Wahlkampf gewesen. Die Vorwürfe der SPD Schmutzkampagne, die sich nicht gegen sein Programm, sondern gegen seine Person und seinen Lebenslauf richtete, konnte er mit der Veröffentlichung seiner Zeugnisse widerlegen. Doch trotz dieser transparenten Beweise hält das FT an seinem Schmierentheater fest und versucht mit Spitzfindigkeiten wie dem Unterschied zwischen "arbeitgebergestellter Richter" und "vom Arbeitgeber gestellter Richter" den wohl inhaltsstärksten Kandidaten zu verhindern.

Rainer Loosen der eher einen knautschigen und angestaubten Eindruck hinterlies, konnte zumindest auf seiner Internetseite punkten, indem er die meisten Schlagwörter in ganze Sätze verpackte. Im Gegensatz zu Weber verfügt Loosen über eine Website mit Haftungsausschluß, doch auch hier sind detaillierte Lösungsansätze nicht zu finden. Sein Foto für das Wahlplakat wurde nicht nur wie Webers digital eingefärbt - ihm wurde sogar eine Verjüngungskur mittels Photoshop verabreicht. Die Retusche von Falten, Hautglanz und Halsverschmälerung lassen ihn deutlich jünger erscheinen. Irritierenderweise wird der Parteiname auf Website wie auch Plakat im eher SPD-typischen rot geschrieben. Ob das der CDU den fehlenden sozialen Anstrich geben soll? Oder ob der farbige Rollentausch mit der SPD ein Zeichen der GroKo ist? Wir sind schon etwas verwirrt deshalb und fragen uns, ob das nicht beabsichtigt wurde. Jedenfalls macht Herr Loosen so nicht den Eindruck als wäre er der energetische Mann, der das Ruder rumreissen und den Investoreninteressen die Stirn bieten könnte oder wollte. Ob er mit der Photoshop-Mogelpackung so zuverlässig oder der richtige Kandidat ist, der für die Interessen von Fehmarn kämpfen kann, bleibt fraglich.

Gunnar Mehnert der ehemalige Bauauschuß Vorsitzende will mit seinem geplanten Industriegebiet zwischen Puttgarden, Marienleuchte & Bannesdorf lieber nicht mehr in Verbindung gebracht werden und beschwerte sich bei uns darüber, daß wir es trotzdem taten. Das möchte er lieber hinter sich lassen. Genauso wie seine Bürgermeister-Kandidatur 2008 in der er noch das Visionäre vermisste. Im Wahkampf 2014 machte er sich dann auch gleich auf die Suche danach. Seine Themen auf Website und in seiner Wahlprogramm-Zeitung sind interessanter weise großteils zuvor durch den Kandidaten Lintzen veröffentlicht worden. (Arne Jacobsen, HCU Südstrand-Entwicklung, Sanitäranlagen, Absenkung der Boardsteine uva). Nun scheint er das Visionäre gefunden und einfach kopiert zu haben. Sogar von einer ungenehmigten Aufzeichnung eines Infotreffen's seines Konkurrenten wurde uns berichtet. Mehnert hat sich zwar bei uns gemeldet, aber zu dem Thema gab es von ihm keine Stellungsnahme. Seine Unterstützung des Parteigenossen Weber zog er bereits zu Beginn des Wahlkampf zurück.

Jutta Mackeprang die als Diplom Tubaspielerin erst im Polizei-Chor mitwirkte und später als Polizistin andere Töne anschlug, ist uns bisher weder positiv noch negativ aufgefallen. Musik, Kunst & Kindertagestätten liegen ihr am Herzen. Sonst ist uns nichts inhaltlich Relevantes über das Programm der Kandidatin bekannt.

Fazit

Gegen die Wahlkampfverordnung der Stadt haben jedenfalls alle Kandidaten verstoßen. Entweder durch das überschreiten der zulässigen Höchstmenge an Wahlplakaten um bis zu 300% (Weber, Mehnert) oder durch die Belegung von Verkehrsschildern im Kreuzungsbereich (Weber, Mehnert, Loosen & Lintzen). Die SPD hat sich darüber hinaus selbst vergessen (nicht nur auf die Plakate zu schreiben) sondern offenbar auch den Ursprung des "S" im eigenen Namen. Das FT wiederum hat vergessen was Neutralität in der Berichterstattung bedeutet und hat sich damit selbst für eine Auszeichnung des Pinnocchio-Award nominiert. Wenn das Ganze nicht so traurig wäre, weil es um die Zukunft unserer Insel geht, könnte man eigentlich herzhaft darüber lachen. Doch am Sonntag gilt mal wieder das Motto: Wer die Wahl hat, hat die Qual.

Nachtrag

Dank des großen Interesse an diesem Beitrag (fast 4.500 Aufrufe) und der intensiven Facebook-Kommentierung dazu, hier ein paar Zeilen die sich damit ein wenig beschäftigen. Wir wurden von euch gelobt und beschimpft für diesen Beitrag, je nach Gesinnung. Genauso wie den Fehmaranern diese Meinung zusteht, so steht sie dem Autor zu, ob euch das passt oder nicht. Meinungsfreiheit gilt nunmal für alle oder für keinen. Und weder die Aufdeckungsversuche von Andreas H. noch die Vorwürfe von Dirk O. können daran etwas ändern. Die Wahrheit tut manchmal weh, oder? Dabei sind im bisherigen Beitrag weder die Androhungen seitens der SPD-Stadträte noch die anderen geäußerten Manipulationsversuche und Indiskretionen vom SPD-Ortsverbandsvorsitzenden publiziert worden. Auch der Löschungsantrag auf Facebook wurde bisher mit keiner Silbe erwähnt. Liebe SPD wenn ihr nicht anders als hinterhältig könnt, dann müsst ihr euch aber auch damit abfinden, daß sowas auf einer kleinen Insel rauskommt. Ob ihr euch jetzt für euer Handeln schämt oder nicht, daß bleibt euch selbst überlassen.

Bewahrt Fehmarn

Industriegebiet?


Pimp My Island - Habt ihr schon gehört was uns stört?


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